Freitag, 19.11.2004 » (Hanoi)
Durch die Zeitverschiebung waren wir bereits um vier Uhr wach. Da wir uns erst für 9 Uhr zum Frühstück verabredet hatten, entschlossen wir uns um 7 Uhr zu einem morgendlichen Spaziergang durch Hanoi.
Die Stadt war natürlich schon voll auf den Beinen und der Verkehr brummte und hupte. Wir schlenderten zum Hoa Kiem See, der noch im Morgendunst lag, wo sehr viele Leute an seinem Ufer ihrer täglichen Morgengymnastik nachgingen - es waren auch einige Profis dabei.
Nach dem Frühstück stand der Dong Xuon Market auf unserem Programm, den wir nach einem ca. 15-minütigen Fußmarsch mitten in der Altstadt fanden. In diesem größten Markt Hanois fand man alles, was das Herz begeht und wir waren erstaunt über das Warenangebot in Vietnam. Allerdings kann sich der Durchschnitts-Vietnamese auf Grund des geringen Einkommens die meisten Dinge nicht leisten.
Neben Dingen des täglichen Bedarfs interessierten uns am meisten die für uns ungewöhnlichen Angebote wie getrocknete Seepferdchen und -sterne, sowie lebende Hunde, Katzen, Leguane und anderes Getier.
Kleidung und Stoffe waren in unvorstellbaren Mengen vorhanden und ständig bahnten sich mit riesigen Kartons beladene Mopeds ihren Weg durch die mit Menschenmassen gefüllten engen Gänge, um die Berge noch größer anwachsen zu lassen.
Wir begnügten uns mit dem Kauf von 100 Gramm Cashewkernen für 1.100 Dong.
Da unsere nächsten Ziele etwas weiter in der Stadt verstreut lagen, entschieden wir uns, vier Cyclos zu nehmen. Auf unserem Spaziergang waren wir oft genug von Cyclofahrern angesprochen worden, aber - wie das immer so ist - wenn man einen braucht, ist keiner da.
Nach kurzem Suchen fanden wir jedoch einen einzelnen Fahrer - und nachdem wir unseren Wunsch nach vier Cyclos ausgesprochen hatten, erschienen wie aus dem Nichts drei weiter Cyclos samt ihren Fahrern.
Nach langem Hin und Her einigten wir uns auf zwei Dollar pro Cyclo und Stunde - und ab ging es zu einer abenteuerlichen Fahrt mitten durch den zäh dahinfließenden Strom hupender und knatternder Mopeds.
Unsere Ziele waren die Chua Tran Quoc Pagode im Norden, das Ho Chi Minh Mausoleum, die Einpfahlpagode Chua Mot Cot, sowie Literaturtempel Van Mieu (Eintritt 5.000 Dong).
Zwischenzeitlich warteten die Cyclos auf uns und so wurden wir von Station zu Station geradelt.
An der Chua Tran Quoc kauften wir uns einige schöne bedruckte T-Shirts für zwei und bestickte für drei Dollar.
Das HCM-Mausoleum war geschlossen, was nicht weiter schlimm war, da wir auch nicht die Absicht hatten, uns in einen langen Strom von Menschen einzureihen, um Onkel Ho zu betrachten. Gegenüber dem HCM-Mausoleum brauchten unsere Frauen eine Toilette für 1.000 Dong.
Die Einpfahlpagode liegt in einem schön angelegten kleinen Park und ist ein idyllischer Ort abseits des lauten Verkehrslärms.
An unserem letzten Ziel, dem Literaturtempel bezahlten wir unsere Cyclos. Seit Beginn der Tour waren eineinhalb Stunden vergangen und so bezahlten wir drei Dollar pro Fahrer. Diese wollten zwar mittlerweile je acht Dollar haben, was aber gegen die Abmachung war und somit legten wir die insgesamt zwölf Dollar auf den Sitz und machten freundlich aber bestimmt klar, dass wir nicht mehr zahlen würden.
Vor dem Park des Tempels gaben wir einigen behinderten Vietnamesen eine Spende (2.000 Dong).
Das Gelände des Tempels, in das man mit einem 5.000 Dong Ticket reinkommt, ist auf jeden Fall sehenswert und wir hatten das Glück, dass in einem Gebäude einige Musiker auf typisch vietnamesischen Instrumenten musizierten. Der Park wurde mit roten Lampions und bunten Bändern geschmückt, da am Wochenende eine Festlichkeit bevorstand.
Auf unserem Fußmarsch zurück in Richtung Hotel ließ ich mir von einem Händler noch ein Kilo Longan-Früchte für einen Dollar (erst wollte er drei) aufschwatzen.
Am Zaun hatte ein fliegender Friseur sein Geschäft eröffnet und schnitt in aller Seelenruhe einem Kunden die Haare.
Vorbei an der St. Joseph Katedrale (Nha Tho Lon) liefen wir zum See wo wir uns auf der Terrasse der fünften Etage des City View Café in der Dinh Tien Hoang Street bei Tee (7.000 Dong) und Fruchtshakes (10.000 Dong) von dem längeren Fußmarsch erholen und nach dem Verkehrsmief, den Tausende Mopeds mit Ihren Auspuffgasen verursachen, wieder tief durchatmen konnten.
Von unseren Sitzplätzen aus beobachteten wir das unten tobende Verkehrschaos aus respektabler Höhe und schälten unsere gekauften Longans.
Pünktlich 17 Uhr waren wir zum gestern vereinbarten Treffen mit dem freundlichen Herren von TravelToVietnam im Hotel wo wir unsere Flugtickets für Saigon bekamen und die Tour mit Privatfahrer und -giude zum Cuc Phong Nationalpark für 108 Dollar pro Person buchten.
Abends bummelten wir noch etwas durch die unzähligen kleinen Läden und Stände, kauften uns schöne handbemalte Seidenkrawatten (zwei bis drei Dollar) und aßen im gleichen Lokal wie gestern. Ich ließ mir eine Krabbe (70.000 Dong) schmecken und die anderen stellten sich in der Auslage ihr Essen zusammen, was dann doch nicht ganz so wunschgemäß war, denn Fleisch und Gemüse waren kalt.
Auf dem Rückweg zum Hotel blieben wir an einem Stand hängen, wo man frische Teigröllchen in Öl briet, welche man sich dann zusammen mit einer leckeren scharfen Soße auf Minihockern am Straßenrand schmecken lassen konnte (zehn Stück für 5.000 Dong).
Da wir von der scharfen Soße mächtigen Durst bekommen hatten, löschten wir ihn in einem Restaurant gleich neben unserem Hotel mit Hanoi Bier (14.000 Dong) und Jasmintee (5.000 Dong).